TEMPORAMORES - Newsletter # 431 - 18.10.2026




KURZMELDUNGEN

Puh! Endlich ist etwas Ruhe eingekehrt. Nach den diversen Conbesuchen (zuletzt der ElsterCon in Leipzig und der BuCon in Dreieich) und dem Erscheinen der 103. Ausgabe der phantastisch! (Calliope Media, 80 S.) ist es an der Zeit, wieder einmal einen neuen Newsletter anzugehen. Diesmal wird es wegen der Vielzahl der vorliegenden neuen Bücher mehr oder weniger bei einer reinen Aufzählung bleiben. Also frisch ans Werk:

Einer unserer absoluten Lieblingsverlage ist Memoranda; da freut es uns natürlich, dass dessen Verlagsprogramm auch 2026 wieder mit dem Deutschen Verlagspreis ausgezeichnet wurde! Und genauso freuen wir uns über zwei neue Bücher, die soeben ausgeliefert wurden. Zum einen ist das UNSICHTBARE TRÄUME, eine Sammlung „phantastischer Erzählungen“ von Erik Simon, die als 7. Band der „Simon’s Fiction“-Werkausgabe erschienen sind. Von den 17 Texten sind 10 Erstveröffentlichungen.

Außerdem veröffentlichten Angela & Karlheinz Steinmüller einen neuen „Roman in Erzählungen“, der zugleich den 11. Band ihrer „Werke in Einzelausgaben“ bildet. Den Handlungsrahmen in DER VAGABUNDIERENDE PLANET stellt das um den Mars kreisende Habitat 5 dar, das seit dem 27. Jahrhundert eine Auffangstation der „Flotte“ für von interstellaren Flügen zurückkehrende Raumfahrer*innen ist. Denn Reisen mit Zeitverschiebung bringt ganz neue, für alle Beteiligten herausfordernde Probleme mit sich. Während auf Habitat 5 etwa einhundert Jahre „Realzeit“ vergehen, kommen dort  Menschen aus fünf unterschiedlichen Jahrhunderten an. Die acht Kapitel sind als eigenständige Geschichten konzipiert, in denen jedoch, neben dem Habitat, versteht sich, wiederkehrende Protagonist*innen auftauchen, welche die übergeordnete Rahmenhandlung voranbringen. Obwohl die Geschichte also in das aus früheren Werken bekannte „Steinmüller-Universum“ eingebettet ist, gelingt dem Ehepaar hier ein eigenständiges, großartiges Spätwerk, das sich auf herzerwärmende Art und Weise mit einer bisher viel zu selten beachteten Seite der „Eroberung des Weltraums“ beschäftigt. Dass sich das dann auch noch gut lesen lässt und auf unterhaltsame Weise zeigt, wie wir unser zukünftiges Leben vielleicht ein wenig besser und glücklicher gestalten können, gehört mit zum Gewinn, den dieser kleine große Roman bringt.

Wenn ein begeisterter Leser extra einen eigenen Verlag gründet, um das Werk einer bisher bei uns völlig unbekannten Autorin unters Volk zu bringen, so hat das daraus entstandene Buch es zumindest verdient, einmal näher in Augenschein genommen zu werden. Passiert ist das der Dänin Jane Mondrup, deren Science-Fiction-Roman ZOI 2025 im Original erschienen ist, und der jetzt, rechtzeitig zur MetropolCon 2026 in der Edition PhöniX Nova vorliegt. Auf 263 Seiten schildert Mondrup hier einen sehr eigenwilligen „First Contact“ mit einer „fremden Lebensform“. Das Ergebnis ist durchaus beachtlich: Einem „klassischen“ SF-Thema, wie dem Erstkontakt, eine neue Facette hinzuzufügen bedarf schon einer gewissen „Frechheit“ – und wenn es gelingt, sind alle glücklich und zufrieden.

Ein kurzer, kursorischer Durchgang durch einige überaus erfreuliche Neuausgaben wichtiger und klassischer SF-Romane: Heyne hat KATZENWIEGE von Kurt Vonnegut (neu übersetzt von Peter Torberg) sowie den ersten Band von Frank Herberts „Pandora“-Zyklus, DIE REISE NACH PANDORA  (ehedem als EIN CYBORG FÄLLT AUS erschienen; nun überarbeitet und ergänzt von Alexander Martin und mit einem Nachwort von Sascha Mamczak) herausgebracht. Die beiden Ausgaben ersetzen die seit längerem (und mit einigem Recht) nicht mehr erhältlichen früheren Übersetzungen.

Und bei S.Fischer hat man sich getraut und Doris Kouba das unvergleichliche Meisterwerk DER KRIEG MIT DEN MOLCHEN von Karel Capek neu übersetzen lassen. Der überaus gelungene und leicht modernisierte Romantext wurde dann noch mit einem Nachwort von Katja Lange-Müller versehen, das für die historisch-literarische Einordnung des vor 90 Jahren erstmals veröffentlichten Werks sorgt.

Etwas überraschend kam für mich die Meldung, dass Stephen Kings neuer Roman ANDERE ALS DIESE WELTEN in Zusammenarbeit mit Peter Straub entstanden ist. (Ich habe extra noch mal nachgesehen: Straub ist vor vier Jahren verstorben. Aber selbst gelöschte und vergessene E-Mails führen offenbar ein geheimes Eigenleben.) Jetzt hat Heyne also den gut 850 Seiten starken dritten Teil der 1984 begonnenen „Talisman“-Trilogie herausgebracht, der zudem eine Verbindung mit der eigentlich ja schon abgeschlossenen „Dark Tower“-Serie herstellt. Hoffentlich hat King nicht den Plan, es Isaac Asimov nachzumachen, der ja irgendwann (und warum auch immer?) versucht hat, sein Gesamtwerk unter einem Schirm zusammenzuführen.

Ebenfalls ein Buch, mit dem ich nicht gerechnet hatte: DIE UNRUHE DER ZEIT von Audrey Niffenegger bei S.Fischer. Der fast 800 Seiten starke Roman erzählt die Geschichte der Tochter der FRAU DES ZEITREISENDEN, die inzwischen etwa 23 Jahre (mehr oder weniger) hinter sich gebracht hat. So lange jedenfalls hat sich Frau Niffenegger mit der Fortsetzung Zeit gelassen.

Gefreut habe ich mich dagegen, als mir Christoph Grimm auf der BuCon nicht nur die Nr. 8 seines Magazins WELTENPORTAL überreichte (darin 100 großzügig bedruckte Seiten, hervor­ragendes Layout, tolle Zeichnungen, Comics, Artikel und Storys), sondern auch die seit längerem angekündigte Anthologie SMARTOKRATIE (Eridanus), die er gemeinsam mit Sarah Lutter und Kai Focke herausgegeben hat. Auf 350 Seiten setzen sich 17 deutschsprachige Autor*innen in ebenso vielen Beiträgen mit ebenso vielen „nahen Zukünften“ auseinander. Der fleißige Detlef Klewer hat nicht nur den Umschlag und die Innenillustrationen der Anthologie zu verantworten, sondern auch das sehr schöne umlaufende Magazin-Cover.



AM RANDE

(Eine neue Kategorie, mal sehen wie sie ankommt.)

Soeben habe ich meine 50.  (FÜNFZIGSTE!) deutschsprachige Ausgabe von George Orwells Roman »1984« nach Hause getragen. Und damit meine ich nicht, Einband- oder Auflagen-Varianten. Sondern 50 verschiedene Verlage (oder auch [echt wahr] Privatpersonen) die dieses Buch in Deutschland, Österreich oder der Schweiz veröffentlicht haben! Und da sind die Comics noch nicht mal dabei.

Außerdem habe ich meine erste Veröffentlichung im Verlag p.machinery zu feiern. Im dort erscheinenden „fantastischen Rezensionsmagazin“ REISSWOLF ( RW68komplett.pub ) habe ich eine extralange Besprechung von Harlan Ellisons Anthologie GEFÄHRLICHE VISIONEN untergebracht, wodurch die Ausgabe 68 zu einem Ellison-Special wurde. Kostenloser Download über den Link – gibt es aber auch als „Drucksache“ (bitte beim Verlag bestellen).

Ebenfalls mit nach Hause genommen habe ich den limitierten, superteuren „Jubiläumsband“ DAS BESTE DER PEANUTS, mit dem Carlsen 2026(!) nochmals „75 Jahre Peanuts“ zelebriert. Ein Ereignis, das korrekt mit der 2025 bei Abrams erschienenen US-Ausgabe THE ESSENTIAL PEANUTS abgefeiert wurde. Vermutlich hat die Übersetzung der ganzen kleinen Sprechblasen halt ein Jahr gedauert.



ZITAT

„Ich heiße Alba DeTamble, und ich wurde als Zeitreisende geboren. Natürlich sind wir das alle, aber die meisten reisen nur vorwärts … […] Mal habe ich das Zeitreisen geliebt, und mal habe ich mir gewünscht, es würde ein Ende nehmen“.

Audrey Niffenegger, in: DIE UNRUHE DER ZEIT (S. 11)



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