TEMPORAMORES - Newsletter # 424 - 5.5.2026




KURZMELDUNGEN

Normalerweise freue ich mich ja darüber, wenn ich den jeweils neuesten Roman von Andreas Eschbach vorstellen kann. Nachdem ich jedoch INS FAHLE HERZ DES SOMMERS (Lübbe, ISBN 978-3-7577-0200-7, 232 S.) gelesen habe, bin ich mir nicht so sicher, ob ich an dieser Stelle mehr darüber schreiben soll als dass das Buch erschienen ist. Kürzestmöglich: Mann trifft Frau, sie verlieben sich, gehen ins Bett; sie wird schwanger, verliert das Kind und verlässt ihn. Das Setting ist eine nahe Zukunft, postapokalyptische Zustände, die Menschen leiden unter der Hitze und sind schlecht drauf. Das ist sicherlich ungerecht gegenüber dem Autor, aber der Plot erinnert mich doch sehr an SCHARZE SPIEGEL von Arno Schmidt und das ist halt einer meiner Lieblingstexte von ihm. Da helfen auch die hinzugefügten wenigen Dorfbewohner und geheimnisvollen Neuankömmlinge nicht wirklich. Fazit: Ein schmales Hardcover, das schnell durchgelesen ist und das am Ende noch fünf Seiten Leseprobe aus dem nächsten Eschbach-Buch bereit hält, die auch nicht überzeugend wirken. Schade.

Viel mehr Spaß erwartete ich mir von dem bei Hanser erschienenen Erstlingsroman des kanadischen Autors Glenn Dixon, der schon mit dem Titel DIE UNENDLICHE SEHNSUCHT DER HAUSHALTSGERÄTE (ISBN 978-3-446-28486-9, 288 S.) signalisiert, dass es sich um ein „Wohlfühl-Buch“ handeln soll. Unter Freundinnen und Bekannten gelte ich ja selbst als jemand, der „gut mit Technik kann“ und bei dem es eine emotionale Verbindung mit Maschinen gibt. An dieser Stelle kann ich beruhigt und in aller gebotenen Kürze konstatieren: Titel, Inhalt und Ergebnis stimmen bei DIE UNENDLICHE SEHNSUCHT DER HAUSHALTSGERÄTE überein: Ich habe mich vorher, währenddessen und danach recht wohl gefühlt. Und ich liebe mein Maschinchen mehr denn je!

Wer sich bisher gefragt hat, wozu es einer literarischen Genossenschaft wie der Büchergilde Gutenberg bedarf, der nehme bitte das soeben erschienene Buch DAS WORT FÜR WELT IST WALD (ISBN 978-3-7632-7669-1, 250 S.) zur Hand und schweige für immer – oder besser noch: der singe das Loblied auf die Autorin Ursula K. Le Guin, die Übersetzerin Karen Nölle und, hier im Besonderen, auf die Illustratorin Hannah Brückner und die Buchgestalterin Cosima Schneider. Le Guins Meisterwerk erfährt in dieser wirklich perfekt abgestimmten, illustrierten Ausgabe eine Wertschätzung ganz besonderer Art. Der von allen Seiten „waldgrüne“ Einband mit der eingeprägten Illustration und Titelei in Silber erfreut auf den ersten Blick, die Bilder im Inneren zeugen von einer eigenständigen Künstlerin, die ihre Fertigkeiten in den Dienst des Textes stellt. So eine Ausgabe habe ich mir immer erträumt!


ZITAT

„In allem, was Freud geschrieben hat, gibt es für mich nichts Schöneres als seine Behauptung, Künstler würden ihre Werke schaffen, weil es sie dränge, »Ehre, Macht, Reichtum, Ruhm und die Liebe der Frauen« zu erwerben. Es ist eine so beruhigende, so umfassende Aussage, sie sagt alles über den Künstler.“

Ursula K. Le Guin – „Vorwort“; in: DAS WORT FÜR WELT IST WALD (S. 9)



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