Puh!
Endlich ist etwas Ruhe eingekehrt. Nach den diversen Conbesuchen (zuletzt der
ElsterCon in Leipzig und der BuCon in Dreieich) und dem Erscheinen der 103.
Ausgabe der phantastisch! (Calliope
Media, 80 S.) ist es an der Zeit, wieder einmal einen neuen Newsletter
anzugehen. Diesmal wird es wegen der Vielzahl der vorliegenden neuen Bücher
mehr oder weniger bei einer reinen Aufzählung bleiben. Also frisch ans Werk:
Einer
unserer absoluten Lieblingsverlage ist Memoranda; da freut es uns natürlich,
dass dessen Verlagsprogramm auch 2026 wieder mit dem Deutschen Verlagspreis
ausgezeichnet wurde! Und genauso freuen wir uns über zwei neue Bücher, die
soeben ausgeliefert wurden. Zum einen ist das UNSICHTBARE TRÄUME, eine Sammlung
„phantastischer Erzählungen“ von Erik
Simon, die als 7. Band der „Simon’s Fiction“-Werkausgabe erschienen sind. Von
den 17 Texten sind 10 Erstveröffentlichungen.
Außerdem
veröffentlichten Angela & Karlheinz
Steinmüller einen neuen „Roman in Erzählungen“, der zugleich den 11. Band
ihrer „Werke in Einzelausgaben“ bildet. Den Handlungsrahmen in DER
VAGABUNDIERENDE PLANET stellt das um den Mars kreisende Habitat 5 dar, das seit
dem 27. Jahrhundert eine Auffangstation der „Flotte“ für von interstellaren
Flügen zurückkehrende Raumfahrer*innen ist. Denn Reisen mit Zeitverschiebung
bringt ganz neue, für alle Beteiligten herausfordernde Probleme mit sich.
Während auf Habitat 5 etwa einhundert Jahre „Realzeit“ vergehen, kommen dort Menschen aus fünf unterschiedlichen
Jahrhunderten an. Die acht Kapitel sind als eigenständige Geschichten
konzipiert, in denen jedoch, neben dem Habitat, versteht sich, wiederkehrende
Protagonist*innen auftauchen, welche die übergeordnete Rahmenhandlung
voranbringen. Obwohl die Geschichte also in das aus früheren Werken bekannte
„Steinmüller-Universum“ eingebettet ist, gelingt dem Ehepaar hier ein eigenständiges,
großartiges Spätwerk, das sich auf herzerwärmende Art und Weise mit einer
bisher viel zu selten beachteten Seite der „Eroberung des Weltraums“
beschäftigt. Dass sich das dann auch noch gut lesen lässt und auf unterhaltsame
Weise zeigt, wie wir unser zukünftiges Leben vielleicht ein wenig besser und
glücklicher gestalten können, gehört mit zum Gewinn, den dieser kleine große
Roman bringt.
Wenn
ein begeisterter Leser extra einen eigenen Verlag gründet, um das Werk einer
bisher bei uns völlig unbekannten Autorin unters Volk zu bringen, so hat das
daraus entstandene Buch es zumindest verdient, einmal näher in Augenschein
genommen zu werden. Passiert ist das der Dänin Jane Mondrup, deren Science-Fiction-Roman ZOI 2025 im Original
erschienen ist, und der jetzt, rechtzeitig zur MetropolCon 2026 in der Edition
PhöniX Nova vorliegt. Auf 263 Seiten schildert Mondrup hier einen sehr
eigenwilligen „First Contact“ mit einer „fremden Lebensform“. Das Ergebnis ist
durchaus beachtlich: Einem „klassischen“ SF-Thema, wie dem Erstkontakt, eine
neue Facette hinzuzufügen bedarf schon einer gewissen „Frechheit“ – und wenn es
gelingt, sind alle glücklich und zufrieden.
Ein
kurzer, kursorischer Durchgang durch einige überaus erfreuliche Neuausgaben
wichtiger und klassischer SF-Romane: Heyne hat KATZENWIEGE von Kurt Vonnegut (neu übersetzt von Peter Torberg) sowie den ersten Band
von Frank Herberts „Pandora“-Zyklus,
DIE REISE NACH PANDORA (ehedem als EIN
CYBORG FÄLLT AUS erschienen; nun überarbeitet und ergänzt von Alexander Martin und mit einem Nachwort
von Sascha Mamczak) herausgebracht. Die
beiden Ausgaben ersetzen die seit längerem (und mit einigem Recht) nicht mehr
erhältlichen früheren Übersetzungen.
Und
bei S.Fischer hat man sich getraut und Doris
Kouba das unvergleichliche Meisterwerk DER KRIEG MIT DEN MOLCHEN von Karel Capek neu übersetzen lassen. Der
überaus gelungene und leicht modernisierte Romantext wurde dann noch mit einem
Nachwort von Katja Lange-Müller
versehen, das für die historisch-literarische Einordnung des vor 90 Jahren
erstmals veröffentlichten Werks sorgt.
Etwas
überraschend kam für mich die Meldung, dass Stephen Kings neuer Roman ANDERE ALS DIESE WELTEN in Zusammenarbeit
mit Peter Straub entstanden ist.
(Ich habe extra noch mal nachgesehen: Straub ist vor vier Jahren verstorben.
Aber selbst gelöschte und vergessene E-Mails führen offenbar ein geheimes
Eigenleben.) Jetzt hat Heyne also den gut 850 Seiten starken dritten Teil der
1984 begonnenen „Talisman“-Trilogie herausgebracht, der zudem eine Verbindung
mit der eigentlich ja schon abgeschlossenen „Dark Tower“-Serie herstellt. Hoffentlich hat King nicht den Plan, es Isaac Asimov nachzumachen, der ja
irgendwann (und warum auch immer?) versucht hat, sein Gesamtwerk unter einem
Schirm zusammenzuführen.
Ebenfalls ein Buch, mit dem ich nicht gerechnet hatte: DIE UNRUHE
DER ZEIT von Audrey Niffenegger bei
S.Fischer. Der fast 800 Seiten starke Roman erzählt die Geschichte der Tochter
der FRAU DES ZEITREISENDEN, die inzwischen etwa 23 Jahre (mehr oder weniger)
hinter sich gebracht hat. So lange jedenfalls hat sich Frau Niffenegger mit der
Fortsetzung Zeit gelassen.
Gefreut habe ich mich dagegen, als mir Christoph Grimm auf der BuCon nicht nur die Nr. 8 seines Magazins WELTENPORTAL überreichte (darin 100 großzügig
bedruckte Seiten, hervorragendes Layout, tolle Zeichnungen, Comics, Artikel
und Storys), sondern auch die seit längerem angekündigte Anthologie
SMARTOKRATIE (Eridanus), die er gemeinsam mit Sarah Lutter und Kai Focke
herausgegeben hat. Auf 350 Seiten setzen sich 17 deutschsprachige Autor*innen
in ebenso vielen Beiträgen mit ebenso vielen „nahen Zukünften“ auseinander. Der
fleißige Detlef Klewer hat nicht nur
den Umschlag und die Innenillustrationen der Anthologie zu verantworten,
sondern auch das sehr schöne umlaufende Magazin-Cover.
(Eine
neue Kategorie, mal sehen wie sie ankommt.)
Soeben
habe ich meine 50. (FÜNFZIGSTE!)
deutschsprachige Ausgabe von George
Orwells Roman »1984« nach Hause getragen. Und damit meine ich nicht,
Einband- oder Auflagen-Varianten. Sondern 50 verschiedene Verlage (oder auch
[echt wahr] Privatpersonen) die dieses Buch in Deutschland, Österreich oder der
Schweiz veröffentlicht haben! Und da sind die Comics noch nicht mal dabei.
Außerdem
habe ich meine erste Veröffentlichung im Verlag p.machinery zu feiern. Im dort
erscheinenden „fantastischen Rezensionsmagazin“ REISSWOLF ( RW68komplett.pub
) habe ich eine extralange Besprechung von Harlan
Ellisons Anthologie GEFÄHRLICHE VISIONEN untergebracht, wodurch die Ausgabe
68 zu einem Ellison-Special wurde. Kostenloser Download über den Link – gibt es
aber auch als „Drucksache“ (bitte beim Verlag bestellen).
Ebenfalls
mit nach Hause genommen habe ich den limitierten, superteuren „Jubiläumsband“
DAS BESTE DER PEANUTS, mit dem Carlsen 2026(!) nochmals „75 Jahre Peanuts“
zelebriert. Ein Ereignis, das korrekt mit der 2025 bei Abrams erschienenen
US-Ausgabe THE ESSENTIAL PEANUTS abgefeiert wurde.
Vermutlich hat die Übersetzung der ganzen kleinen Sprechblasen halt ein Jahr
gedauert.
„Ich heiße Alba DeTamble, und ich wurde als Zeitreisende geboren.
Natürlich sind wir das alle, aber die meisten reisen nur vorwärts … […] Mal
habe ich das Zeitreisen geliebt, und mal habe ich mir gewünscht, es würde ein
Ende nehmen“.
Audrey Niffenegger, in: DIE UNRUHE DER ZEIT (S. 11)