Normalerweise freue ich mich
ja darüber, wenn ich den jeweils neuesten Roman von Andreas Eschbach vorstellen kann. Nachdem ich jedoch INS FAHLE HERZ
DES SOMMERS (Lübbe, ISBN 978-3-7577-0200-7, 232 S.) gelesen habe, bin ich mir
nicht so sicher, ob ich an dieser Stelle mehr darüber schreiben soll als dass
das Buch erschienen ist. Kürzestmöglich: Mann trifft Frau, sie verlieben sich,
gehen ins Bett; sie wird schwanger, verliert das Kind und verlässt ihn. Das
Setting ist eine nahe Zukunft, postapokalyptische Zustände, die Menschen leiden
unter der Hitze und sind schlecht drauf. Das ist sicherlich ungerecht gegenüber
dem Autor, aber der Plot erinnert mich doch sehr an SCHARZE SPIEGEL von Arno Schmidt und das ist halt einer
meiner Lieblingstexte von ihm. Da helfen auch die hinzugefügten wenigen
Dorfbewohner und geheimnisvollen Neuankömmlinge nicht wirklich. Fazit: Ein
schmales Hardcover, das schnell durchgelesen ist und das am Ende noch fünf
Seiten Leseprobe aus dem nächsten Eschbach-Buch bereit hält, die auch nicht
überzeugend wirken. Schade.
Viel mehr Spaß erwartete ich mir
von dem bei Hanser erschienenen Erstlingsroman des kanadischen Autors Glenn Dixon, der schon mit dem Titel
DIE UNENDLICHE SEHNSUCHT DER HAUSHALTSGERÄTE (ISBN 978-3-446-28486-9, 288 S.)
signalisiert, dass es sich um ein „Wohlfühl-Buch“ handeln soll. Unter
Freundinnen und Bekannten gelte ich ja selbst als jemand, der „gut mit Technik
kann“ und bei dem es eine emotionale Verbindung mit Maschinen gibt. An dieser
Stelle kann ich beruhigt und in aller gebotenen Kürze konstatieren: Titel,
Inhalt und Ergebnis stimmen bei DIE UNENDLICHE SEHNSUCHT DER HAUSHALTSGERÄTE
überein: Ich habe mich vorher, währenddessen und danach recht wohl gefühlt. Und
ich liebe mein Maschinchen mehr denn je!
Wer sich bisher gefragt hat,
wozu es einer literarischen Genossenschaft wie der Büchergilde Gutenberg
bedarf, der nehme bitte das soeben erschienene Buch DAS WORT FÜR
WELT IST WALD (ISBN 978-3-7632-7669-1, 250 S.) zur Hand und schweige für immer
– oder besser noch: der singe das Loblied auf die Autorin Ursula K. Le Guin, die Übersetzerin Karen Nölle und, hier im Besonderen, auf die Illustratorin Hannah Brückner und die Buchgestalterin
Cosima Schneider. Le Guins
Meisterwerk erfährt in dieser wirklich perfekt abgestimmten, illustrierten
Ausgabe eine Wertschätzung ganz besonderer Art. Der von allen Seiten
„waldgrüne“ Einband mit der eingeprägten Illustration und Titelei in Silber
erfreut auf den ersten Blick, die Bilder im Inneren zeugen von einer eigenständigen
Künstlerin, die ihre Fertigkeiten in den Dienst des Textes stellt. So eine
Ausgabe habe ich mir immer erträumt!
„In allem, was Freud geschrieben hat, gibt es für mich nichts
Schöneres als seine Behauptung, Künstler würden ihre Werke schaffen, weil es
sie dränge, »Ehre, Macht, Reichtum, Ruhm und die Liebe der Frauen« zu erwerben.
Es ist eine so beruhigende, so umfassende Aussage, sie sagt alles über den
Künstler.“
Ursula
K. Le Guin – „Vorwort“; in: DAS WORT FÜR WELT IST WALD (S. 9)