TEMPORAMORES - Newsletter # 403 - 29.2.2025




KURZMELDUNGEN

Da ich zur Zeit wieder verstärkt für meine Sammlung „Lückenfüller“ suche, entdecke, einkaufe und bearbeite, hält sich der Zustrom an Neuem in Grenzen. Aber: „a bisserl wos geht imma“ und so kann ich die folgenden Werke vorstellen und empfehlen.

Von allen Autoren, die ich im letzten Jahr neu kennen lernen durfte, war Edward Ashton einer der eindrucksvollsten. Nicht nur, dass der Mann im „echten“ Leben in der Krebsforschung unterwegs ist, nein, er ist auch ein überaus liebenswürdiger und bescheidener Mensch. Dass so einer dann auch noch einen tollen SF-Roman nach dem anderen raushaut, ist natürlich die Kirsche auf der Sahnetorte. Aktuell ist bei Heyne sein drittes Werk erschienen: MAL GOES TO WAR (ISBN 978-3-453-32346-9, 398 S.), das auf dem Cover als „Ein KI-Thriller“ untertitelt ist, tatsächlich aber ein klassisches SF-Thema behandelt, nämlich die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine. Da sich zwischenzeitlich beide einander immer mehr angleichen, könnte es eigentlich ganz friedlich zugehen in Ashtons Zukunftsszenario, leider jedoch herrscht Bürger­krieg in den USA (keine Ahnung, woher Ashton dazu die Idee hernimmt), und so begleiten wir eine KI und einen Menschen bei ihrem Versuch, diesen sogenannten „Dummen Krieg“ nicht nur zu überleben, sondern, soweit möglich, zu beenden. Die Übersetzung von Felix Mayer bringt die unterschiedlichen Kommunikationswegen geschuldeten Stilvarianten der Protagonisten sehr gut ins Deutsche – leider gönnte ihm der Verlag kein „Mal zieht in den Krieg“. Von dieser Kleinig­keit einmal abgesehen ist MAL GOES TO WAR ein spannender, unterhaltsamer und nachdenk­lich stimmender Roman, dessen Lektüre ein früher Höhepunkt im Lese-Jahr 2025 war.

Man mag es kaum glauben, aber der von Jörg Weigand herausgegebene Band DIE WELTEN DES ULRICH HARBECKE (p. machinery, ISBN 978-3-95765-438-0) ist materialisierter Beweis dafür: Es ist möglich, das gesamte Schaffen eines der bedeutendsten Science-Fiction-Autoren deutscher Zunge auf lediglich 444 Seiten zusammenzutragen. Dabei veröffentlicht der 1943 in Witten zur Welt gekommene Ulrich Harbecke bereits seit 1978 Science-Fiction-Texte und hat seither zwei Romane und mehr als zwei Dutzend Kurzgeschichten geschrieben. Das alles, plus zwei unveröffentlichte Stories und eine von ihm verfasste Poetik, findet sich hier, abgerundet durch eine kurze persönliche Note des Herausgebers. Nicht ganz zu Unrecht schimpft Weigand dabei ein wenig über das einheimische Fandom: denn dort gehört der TV-Journalist, Sachbuch-Bestsellerautor, Komponist und Programmgestalter Harbecke zu den nur wenigen Spezialisten bekannten Weltenschöpfern. Kann sich jetzt ja ändern!


ZITAT

Chrissy hat ein Händchen für Pflanzen: Sie behauptet, man müsse mit ihnen reden, wobei sie nie verraten hat, was man zu ihnen sagen soll. Wahrscheinlich nicht das, was Myrna sagt, wenn wieder mal einer ihrer Gartenverschönerungsversuche verkümmert und eingegangen ist. »Das können wir uns wohl in den Arsch schieben«, würde Chrissy unter gar keinen Umständen sagen: Für sie wäre das schwulenfeindlich.“

 Margaret Atwood – HIEB UND STRICH (S. 39 f.)



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