Da ich zur Zeit wieder
verstärkt für meine Sammlung „Lückenfüller“ suche, entdecke, einkaufe und
bearbeite, hält sich der Zustrom an Neuem in Grenzen. Aber: „a bisserl wos geht
imma“ und so kann ich die folgenden Werke vorstellen und empfehlen.
Von allen Autoren, die ich im
letzten Jahr neu kennen lernen durfte, war Edward
Ashton einer der eindrucksvollsten. Nicht nur, dass der Mann im „echten“
Leben in der Krebsforschung unterwegs ist, nein, er ist auch ein überaus
liebenswürdiger und bescheidener Mensch. Dass so einer dann auch noch einen
tollen SF-Roman nach dem anderen raushaut, ist natürlich die Kirsche auf der
Sahnetorte. Aktuell ist bei Heyne sein drittes Werk erschienen: MAL GOES TO WAR
(ISBN 978-3-453-32346-9, 398 S.), das auf dem Cover als „Ein KI-Thriller“
untertitelt ist, tatsächlich aber ein klassisches SF-Thema behandelt, nämlich
die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine. Da sich zwischenzeitlich beide
einander immer mehr angleichen, könnte es eigentlich ganz friedlich zugehen in
Ashtons Zukunftsszenario, leider jedoch herrscht Bürgerkrieg in den USA (keine
Ahnung, woher Ashton dazu die Idee hernimmt), und so begleiten wir eine KI und
einen Menschen bei ihrem Versuch, diesen sogenannten „Dummen Krieg“ nicht nur
zu überleben, sondern, soweit möglich, zu beenden. Die Übersetzung von Felix Mayer bringt die unterschiedlichen
Kommunikationswegen geschuldeten Stilvarianten der Protagonisten sehr gut ins
Deutsche – leider gönnte ihm der Verlag kein „Mal zieht in den Krieg“. Von
dieser Kleinigkeit einmal abgesehen ist MAL GOES TO WAR ein spannender,
unterhaltsamer und nachdenklich stimmender Roman, dessen Lektüre ein früher
Höhepunkt im Lese-Jahr 2025 war.
Man mag es kaum glauben, aber
der von Jörg Weigand herausgegebene
Band DIE WELTEN DES ULRICH HARBECKE (p. machinery, ISBN 978-3-95765-438-0) ist
materialisierter Beweis dafür: Es ist möglich, das gesamte Schaffen eines der
bedeutendsten Science-Fiction-Autoren deutscher Zunge auf lediglich 444 Seiten
zusammenzutragen. Dabei veröffentlicht der 1943 in Witten zur Welt gekommene Ulrich Harbecke bereits seit 1978 Science-Fiction-Texte
und hat seither zwei Romane und mehr als zwei Dutzend Kurzgeschichten
geschrieben. Das alles, plus zwei unveröffentlichte Stories und eine von ihm
verfasste Poetik, findet sich hier, abgerundet durch eine kurze persönliche
Note des Herausgebers. Nicht ganz zu Unrecht schimpft Weigand dabei ein wenig
über das einheimische Fandom: denn dort gehört der TV-Journalist,
Sachbuch-Bestsellerautor, Komponist und Programmgestalter Harbecke zu den nur
wenigen Spezialisten bekannten Weltenschöpfern. Kann sich jetzt ja ändern!
„Chrissy hat ein
Händchen für Pflanzen: Sie behauptet, man müsse mit ihnen reden, wobei sie nie
verraten hat, was man zu ihnen sagen soll. Wahrscheinlich nicht das, was Myrna
sagt, wenn wieder mal einer ihrer Gartenverschönerungsversuche verkümmert und
eingegangen ist. »Das können wir uns wohl in den Arsch schieben«, würde Chrissy
unter gar keinen Umständen sagen: Für sie wäre das schwulenfeindlich.“
Margaret Atwood – HIEB
UND STRICH (S. 39 f.)